15. August: Johann Adam Schall von Bell
Wie Paulus den Griechen ein Grieche sein wollte, wurde Johann Adam Schall von Bell den Chinesen ein Chinese.Aus einem rheinischen Adelsgeschlecht stammend und 1592 in Lüftelberg oder Köln geboren, studierte er nach dem Besuch des Kölner Jesuitengymnasiums ab 1608 Mathematik und Astronomie in Rom. 1611 trat er in den Orden ein.
Wegen seiner naturwissenschaftlichen Kenntnisse schickte man ihn seinem Wunsch entsprechend in die Chinamission. Nach einem Aufenthalt zum Sprachstudium in der portugiesischen Kolonie Macao und Aufenthalten in verschiedenen chinesischen Städten wurde er als Hofastronom nach Peking berufen. In Zusammenarbeit mit italienischen und chinesischen Wissenschaftlern erarbeitete er eine Reform des chinesischen Kalenders.
Da der Kaiser die Herrschaft seiner Dynastie über den Kalender legitimierte, hatte Schall von Bells Werk nicht nur wissenschaftliche, sondern auch politische Bedeutung. Auch als 1644 die Ming- durch die Qing-Dynastie abgelöst wurde, konnte Schall von Bell seine Stellung behaupten und wurde sogar vom ersten Mandschu-Kaiser Shunzhi zum Mandarin Erster Klasse erhoben.
Als der überraschende Tod Shunzhis auf falsche Kalenderberechnungen Schall von Bells zurückgeführt wurde, verurteilte man ihn in einem Schauprozess zum Tod und wies fast alle Jesuiten aus. Eine darauf folgende Naturkatastrophe interpretierten die Chinesen als Beweis der Unschuld Schall von Bells und rehabilitierten ihn.
Rückendeckung aus Rom hätte er nicht erwarten können. Der Papst klagte Schall von Bell an, sich zu weit auf die chinesische Kultur einzulassen und missbilligte die Annahme politischer Ämter, zumal die damit verbundene Hoffnung auf die Christianisierung des chinesischen Kaiserhauses nicht erfüllt wurde. Das chinesische Toleranzedikt für die christliche Religion von 1692 erlebte Schall von Bell nicht mehr. Er starb am 15. August 1666 und erhielt ein Ehrenbegräbnis in Peking.
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