18. August: Walahfrid Strabo

Im Sommer ist die Bodenseeinsel Reichenau ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus Nah und Fern. Zum Besuchsprogramm gehört dabei die ehemalige Benediktinerabtei auf der Reichenau, seit 2000 in die Liste der Welterbestätten der UNESCO aufgenommen.Einer der bekanntesten Äbte des Klosters war der Dichter,Theologe und leidenschaftliche Gärtner Walahfrid Strabo.

Um 808/809 wurde Walahfrid in einfachen Verhältnissen am

Bodensee geboren. Sein Beiname Strabo ist so ehrlich wie unhöflich: Er bedeutet „der Schielende" und spielt unmissverständlich auf die Fehlstellung seiner Augen an. Schon fru?h besuchte er die Klosterschule auf der Reichenau und trat mit 15 Jahren in den Konvent ein. Nach einem Aufenthalt in Fulda, wo er den Ausführungen des berü?hmten Abtes und späteren Erzbischofs von Mainz, Rabanus Maurus, folgen durfte, wurde Strabo 829 als Erzieher des karolingischen Prinzen Karl an den Kaiserhof zu Aachen berufen.

Walahfrid
Walahfrid
Foto: Archiv
Kaiserlicher Erzieher, Gärtner, Abt und Literat: Walahfrid Strabo.


30-jährig wurde Walahfrid Abt auf der Reichenau. In den Auseinandersetzungen um die Teilung des fränkischen Reiches versuchte er zwischen den Königssöhnen zu vermitteln. Als er mit diesem Ansinnen seinen ehemaligen Schüler Karl, mittlerweile König über den westlichen Reichsteil, aufsuchen wollte, ertrank Strabo am 18. August des Jahres 849 in der Loire.

Walahfrid Strabo hinterließ der Nachwelt ein ungewöhnliches literarisches Erbe. Er verfasste zahlreiche Gedichte, hymnische Gebete und theologische Traktate. In seinem allegorischen Gartengedicht „Hortulus" besingt er in 444 Versen die Pflanzen des Reichenauer Klostergartens, Heilkräuter, Küchengewürze, Zierpflanzen und deren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Besucher entdecken den Kräutergarten, nach Strabos Plänen wieder angelegt, im Schatten des Münsters in Reichenau-Mittelzell.

Valentin Schneider