20. August: Georg Häfner

Die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft stellte jede Christin und jeden Christen vor eine fast unlösbare Aufgabe: Wie konnten die Ideale Jesu inmitten eines Staates, in dem Gott nicht existieren durfte, aufrichtig gelebt werden, ohne dabei das eigene Leben oder das Leben anderer zu gefährden. Einer solchen Gewissenfrage musste sich auch der Pfarrer Georg Häfner stellen.

Häfner wurde am 19. Oktober 1900 in Würzburg geboren und begann 1919 das Studium der Theologie. 1920 schloss er sich dem Dritten Orden vom Berge Karmel an. Nach seiner Priesterweihe 1924 und einigen Jahren als Kaplan übernahm er 1934 die Pfarrstelle von Oberschwarzach im Bistum Würzburg.
 

Dort machte er sich verdächtig, weil er den Hitlergruß verweigerte. 1938 wurde er mit einem Schulverbot belegt und hielt von da an den Unterricht heimlich ab. Zum Verhängnis wurde ihm schließlich, dass er einem exkommunizierten Mann auf dem Sterbebett eine Erklärung unterschreiben ließ, in der dieser seine zweite, standesamtlich geschlossene Ehe vor Gott und seinem Gewissen als ungültig erklärte. Im Oktober 1941 wurde der unliebsame Priester deswegen von der Gestapo verhaftet. Zunächst in „Schutzhaft" genommen, wurde Georg Häfner am 12. Dezember in das KZ Dachau überführt, wo er am 20. August 1942 den Hungertod fand.

Häfner
Häfner
Foto: Bildlexikon der Heiligen, Pattloch
Georg Häfner. Erkennungsdienstliche Fotografie der Geheimen Staatspolizei Würzburg.
Aus dem Gefängnis schrieb er seinen Eltern: „Keinem Menschen wollen wir fluchen, keinem etwas nachtragen, mit allen wollen wir gut sein." Sein Leben legte er in Gottes Hände, denn „ohne den Willen Gottes geschieht nichts". Diese Aussagen zeugen von Standhaftigkeit und gelebtem Gottvertrauen. Häfner war kein lauter Rebell oder Mitglied einer Widerstandsgruppe, aber er legte in Worten und Gesten Zeugnis für seinen Glauben ab – auch das war eine Form von Widerstand.

1986 wurde der Seligsprechungsprozess für Georg Häfner eingeleitet, im Jahr 2000 wurde Pfarrer Häfner in das Martyrologium der Kirche als Märtyrer des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Valentin Schneider