15. Oktober: Thomas Sankara
Er muss ein sympathischer, begeisternder junger Mann gewesen sein. Statt des Gefühls „Burkina Faso wird nie auf eigenen Beinen stehen" vermittelte er: „Wir werden den Hunger, die Kindersterblichkeit und die Wüste stoppen."Foto: Pa
Der Präsident von Burkina Faso, Thomas Sankara. Er starb am 15. Oktober 1987 bei einem Putsch in Ouagadougou.
Sankara ging gegen die Korruption des Staatsapparats, Beschneidung der Frauen und Prostitution vor und verlangte, dass die Hälfte des Lohns der Beamten auf das Konto der Ehefrauen gezahlt wird, damit er nicht vertrunken werden konnte. Mit dem Abbau des Luxus, den ein kleiner Teil der Gesellschaft wie selbstverständlich beanspruchte, fing er in der eigenen Familie an.
Thomas Sankara gehörte zur katholischen Minderheit des Landes. Seine linken Ideen wurzelten im Christentum: „Ich möchte kein Mensch sein, der nur für sich selbst kämpft, sondern für und mit den anderen."
Bei dem für Afrika beispiellosen sozialreformerischen Umbau des Landes machte Sankara gravierende Fehler. Er vergab Schlüs-selstellen an Anhänger, die Revolutionsphrasen – aber nicht das Alltagsgeschäft – beherrschten. Kritische Journalisten warf er ins Gefängnis und entließ Lehrer, die mehr Lohn forderten.
Thomas Sankara war vielleicht kein Heiliger. Aber er bot der Ausweglosigkeit die Stirn. Wie anders ist zu vermitteln, dass Christentum etwas mit Hoffnung zu tun hat?
Barbara Henze
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