Priester des Erzbistums

06.06.2023 |

Warum die Rückkehr Georg Gänsweins durchaus plausibel ist

Von einer „Verbannung“ Georg Gänsweins ist die Rede, vom „Rausschmiss“ aus Rom, von der „Demütigung“ und „Degradierung“ des Kurienerzbischofs, der aus dem Vatikan verstoßen werde, „wie ein gefallener Engel aus dem Himmel“.
Nachdem die Tageszeitung „Welt“ berichtet hatte, dass Georg Gänswein bis Ende Juni den Vatikan zu verlassen habe, um ohne konkretes Amt in sein Heimatbistum Freiburg zurückzukehren, legten andere Medien mit teils skurrilen Schlagzeilen nach. Als ginge es darum, das Schicksal des einst so einflussreichen Privatsekretärs von Papst Benedikt in möglichst dunklen und dramatischen Farben zu zeichnen. „Gänsweins Hölle“, so schrieb die „Bild“-Zeitung, „das ist Freiburg“.

Da kann ein etwas nüchterner Blick auf die Gemengelage nicht schaden. Es war zum einen ohnehin davon auszugehen, dass die Zukunft Gänsweins nicht innerhalb, sondern außerhalb der Mauern des Vatikans liegt. So war es auch bei den Privatsekretären früherer Päpste, die ebenfalls in ihre Heimat zurückkehrten. Auch die Mutmaßung, dass Gänswein einen der vakanten Bischofsstühle in Deutschland, etwa in Bamberg, einnehmen könnte, war eher abwegig. Vielen wäre eine solche Maßnahme nicht als sinnvolle und naheliegende pastorale Entscheidung erschienen, sondern als eine eher fragwürdige Versorgung des Kurienerzbischofs mit einem „adäquaten“ Amt über die Köpfe der Gläubigen hinweg. Und natürlich dürfte auch die Tatsache eine Rolle spielen, dass ihm Papst Franziskus nicht gerade in herzlicher Zuneigung verbunden ist, was wohl auch umgekehrt gilt.

Insofern ist die wahrscheinliche Rückkehr Gänsweins ins heimatliche Erzbistum Freiburg viel plausibler als es zunächst erscheint, selbst wenn damit noch kein konkretes Amt verbunden ist. Dass sich Georg Gänswein indes fortan als Privatier in sein Heimatdorf zurückziehen und abgesehen von gottesdienstlichen Einsätzen einem geruhsamen Pensionärsdasein frönen wird, ist freilich nicht anzunehmen. Und es wäre auch alles andere als sinnvoll. Sollte tatsächlich alles so kommen, wie vermutet, liegt es an der Freiburger Bistumsleitung, allen voran an Erzbischof Stephan Burger, den Kurienerzbischof in kluger Weise in das Leben der Kirche von Freiburg einzubinden. Davon ausgehend, dass dieser sich gerne einbinden lässt. Nicht zu vergessen: Ungeachtet seiner langen und mitunter schillernden römischen Geschichte ist Georg Gänswein bis heute vor allem eines geblieben: Priester des Erzbistums Freiburg.

Michael Winter