Veranstalter ziehen positive Bilanz des Katholikentags

18.05.2026 |

Fünf Tage, 900 Veranstaltungen, 74.000 Menschen. Der Katholikentag in Würzburg war das größte Christentreffen in Deutschland 2026. Und nach Ansicht der Veranstalter alles andere als eine innerkirchliche Nabelschau.

Hab Mut, steh auf: Beim Abschlussgottesdienst des 104. Katholikentags in Würzburg genossen die Teilnehmenden noch einmal die ganz besondere Atmosphäre des Christentreffens.
 
Mit Appellen gegen Krieg, Antisemitismus und gesellschaftliche Spaltung ist am Sonntag der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg zu Ende gegangen. Zum Abschluss des fünftägigen Christentreffens rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, zu mehr Engagement für Frieden und Menschlichkeit auf. Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 74.000 Menschen an Gottesdiensten, Diskussionen und Kulturveranstaltungen teil.
 
Beim Abschlussgottesdienst auf dem Würzburger Residenzplatz sagte Wilmer, die Kirche müsse hinausgehen mitten ins Chaos und ins Leid dieser Welt. „Eine Kirche, die hinausgeht, die Brandherde löschen will, wird vielleicht müde, vielleicht angegriffen, vielleicht missverstanden – aber sie wird leuchten“, so der Hildesheimer Bischof. Anders als bei der verregneten Eröffnungsveranstaltung und dem Himmelfahrtsgottesdienst blieb es zum Abschluss trocken; über dem Residenzplatz schien die Sonne.
 
Grüße von Papst Leo
 
Vor dem Gottesdienst überbrachte der Generalsekretär der Weltsynode, Kardinal Mario Grech, Grüße von Papst Leo XIV. Der Kurienkardinal würdigte insbesondere das Engagement junger Menschen beim Katholikentag und rief dazu auf, den christlichen Glauben mutig in die Gesellschaft hineinzutragen.
 
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, warnte in einem Grußwort vor wachsendem Antisemitismus. Jüdisches Leben in Deutschland sei bedroht und nur noch unter Schutz möglich. Antisemitismus richte sich nicht nur gegen Juden, sondern gegen Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt: „Beweisen Sie Zivilcourage. Stehen Sie auf gegen Judenhass und für unsere Werte.“
 
„Antisemitismus ist Sünde“
 
Wilmer zeigte sich besonders erfreut über Schusters Teilnahme und ergänzte: „Antisemitismus höhlt unsere Demokratie von innen aus, Antisemitismus ist Sünde! Gut, dass wir dagegen aufstehen – wehret den Anfängen!“
 
Die Präsidentin des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, zog eine positive Bilanz des Katholikentags. Zugleich zeigte sie sich besorgt über den zunehmenden Extremismus in der deutschen Gesellschaft und weltweit. „Die Angst, dass sich immer mehr Menschen dazu verführen lassen, autoritäre und extremistische Parteien und Personen zu wählen“, sei bei vielen Veranstaltungen ein großes Thema gewesen, sagte sie.
 
Wie umgehen mit AfD-Anhängern?
 
Der Beschluss, keine AfD-Vertreter zu den offiziellen Diskussionen einzuladen, sei weiter richtig, fügte Stetter-Karp hinzu. „Aber mich treibt die Frage um, wie wir den Kontakt zu den Menschen nicht verlieren, die die Partei wählen oder sich das zumindest vorstellen können.“

Zu den Debatten über Reformen innerhalb der katholischen Kirche zeigten sich Stetter-Karp und Wilmer dankbar über den Besuch von Kurienkardinal Mario Grech. Stetter-Karp berichtete von sehr ermutigenden Gesprächen. Auch Bischof Wilmer sagte, wie wichtig es sei, dass ranghohe Vertreter aus dem Vatikan auch einmal nach Deutschland kämen und die Situation der Kirche hierzulande aus erster Hand miterleben könnten: „Ich fände es großartig, wenn wir noch mehr Begegnungen dieser Art hätten.“
 
Wichtiges Format für Austausch
 
Was bleibt von den fünf Tagen? Abgesehen von Ermutigung und einer katholischen Selbstvergewisserung vielleicht die Erkenntnis, dass Katholiken- und Kirchentage noch immer ein Format sind, bei dem Kirche und Politik sowie Kirche und Gesellschaft in den Austausch kommen können. Das zeigt der Besuch der vielen Gäste aus Kirche und Gesellschaft – vom katholischen Bundeskanzler bis zum atheistischen Podcaster. Auch wenn dabei nicht zwangsläufig Einigkeit herrscht, eröffnen diese Veranstaltungen Debattenräume.
 
Der Himmel über Würzburg wechselte während der fünf Tage immer wieder zwischen Wolken und Sonne. Auch die katholische Kirche bewegt sich zwischen den Herausforderungen, vor denen sie steht, und der Hoffnung, die sie auch auf dem Katholikentag vermitteln wollte. Das Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ dürften viele Besucher als Ermutigung mit nach Hause genommen haben. Spätestens bis Paderborn 2028 wird sich zeigen, welche Impulse aus Würzburg nachwirken.
 
Michael Althaus, Gottfried Bohl und Hannah Krewer (KNA)