Fachmesse sucht Lösungen im Bestattungswesen

03.06.2026 |

Wie wollen Menschen letzte Abschiede gestalten? Der Umgang mit Tod und Trauer wird vielfältiger, die Branche reagiert darauf mit neuen Angeboten und ungewöhnlichen Ideen. Eine Fachmesse greift diese Entwicklungen auf.

Schleswig-Holstein könnte als erstes Bundesland die Reerdigung dauerhaft erlauben: Dabei wird der Leichnam in pflanzlichem Material zu Humus umgewandelt und anschließend auf einem Friedhof beigesetzt.
 
 
 
 
Das Bestattungswesen befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Darum wird es ab Donnerstag beim BEFA FORUM in Düsseldorf gehen: Die Fachmesse gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte der Branche im deutschsprachigen Raum und findet alle vier Jahre statt.
 
Ein zentrales Thema in diesem Jahr sei die zunehmende Individualisierung von Abschied und Trauer, sagt der Kulturbeauftragte des Bundesverbands Deutscher Bestatter, Simon J. Walter, im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Angehörige erwarteten zunehmend individuelle Beratung und wollten Abschiede gestalten, die das Leben der verstorbenen Person möglichst genau widerspiegelten.
 
"Alle Fragen rund um eine Bestattung werden immer individueller", sagt Walter. Früher hätten Betriebe häufig feste Abläufe angeboten. Heute gehe es darum, gemeinsam mit Familien passende Formen des Abschieds zu entwickeln.
 
Bestatter beraten und begleiten mehr

Dadurch steige der Aufwand für die Betriebe: Bestatterinnen und Bestatter müssten heute deutlich mehr Zeit in Beratung und Begleitung investieren. Das betreffe nicht nur die Organisation einer Trauerfeier oder die Wahl der Bestattungsform, sondern zunehmend auch die Zeit nach der Beisetzung. "Immer häufiger endet der Kontakt mit der Bestatterin oder dem Bestatter nicht mehr mit der Trauerfeier", sagt Walter. Viele Unternehmen böten inzwischen zusätzliche Formate wie Trauergruppen oder andere Begleitangebote an.
 
Deshalb werde auf der Messe insbesondere nach Lösungen gesucht, mit denen sich organisatorische Prozesse vereinfachen ließen. Große Bedeutung hätten dafür digitale Anwendungen - etwa für Verwaltung, Dokumentation oder Kommunikation. Ziel sei es, Bürokratie zu reduzieren, damit mehr Zeit für Angehörige bleibe. Die Digitalisierung sei fest in der Branche angekommen, erklärt Walter.
 
"Grüne" Bestattung eher selten gefragt

Auch Nachhaltigkeit bleibt ein Thema. Zwar fragten Angehörige bislang vergleichsweise selten aktiv nach nachhaltigen Bestattungsformen, innerhalb der Branche wachse das Interesse jedoch deutlich: etwa umweltfreundliche Materialien und ressourcenschonende Prozesse.
 
Besondere Aufmerksamkeit dürften zudem neue gesetzliche Entwicklungen erhalten. In mehreren Bundesländern wurden zuletzt Bestattungsgesetze reformiert. In Rheinland-Pfalz etwa ist neuerdings die Beisetzung von Asche in Flüssen unter bestimmten Bedingungen erlaubt worden. Außerdem könnten Angehörige dort künftig Urnen mit der Asche von Verstorbenen mit nach Hause nehmen.
 
Diese Änderungen werfen laut Walter zahlreiche praktische Fragen auf - etwa zur Organisation neuer Bestattungsformen oder zu geeigneten Materialien. Das wolle man auf der Messe besprechen.
 
Schleswig-Holstein könnte derweil als erstes Bundesland die "Reerdigung" dauerhaft erlauben: Dabei wird der Leichnam in einem geschlossenen Behälter in pflanzliches Material eingebettet und innerhalb von rund 40 Tagen zu Humus umgewandelt. Die Überreste werden anschließend auf einem Friedhof beigesetzt.
 
Generationenwechsel bei Bestattungshäusern

Das BEFA FORUM gilt als vergleichsweise international ausgerichtete Fachmesse. Erwartet werden Ausstellerinnen und Aussteller sowie Gäste aus mehreren europäischen Ländern. Dieser Austausch spiele gerade bei neuen Bestattungsformen eine wichtige Rolle, sagte Walter: In Ländern wie den Niederlanden oder der Schweiz gebe es teilweise schon Erfahrungen mit Regelungen, die in Deutschland erst jetzt eingeführt würden.
 
Neben technologischen und rechtlichen Entwicklungen beschäftigt die Branche demnach auch die Zukunft ihrer eigenen Strukturen. Viele familiengeführte Bestattungsunternehmen stünden in den kommenden Jahren vor einem Generationswechsel, sagt Walter. Zahlreiche Inhaberinnen und Inhaber würden in den Ruhestand gehen.
 
Qualitätsstandards im Bestattungsberuf?

So ist auch die Ausbildung ein Thema der Messe. In Deutschland kann grundsätzlich jede Person mit Gewerbeschein als Bestatter arbeiten, ohne eine spezielle Qualifikation nachweisen zu müssen, sagte Walter. Innerhalb der Branche wachse jedoch der Wunsch nach verbindlicheren Qualitätsstandards. Der Bestatterverband setzt sich deshalb für eine Meisterpflicht wie in vielen anderen Handwerksberufen ein.
 
Darüber hinaus soll das Forum kulturelle Entwicklungen rund um Trauer und Erinnerungskultur aufgreifen. Erstmals vorgestellt werden soll unter anderem eine sogenannte mobile Trauerhaltestelle: Es handelt sich um einen mobilen Rückzugs- und Erinnerungsort für Trauernde, der künftig etwa von Friedhöfen oder Museen genutzt werden kann.
 
KNA