Das Milliardengeschäft mit der Leihmutterschaft

20.08.2026 |

Wer ein Kind durch künstliche Befruchtung oder Leihmutterschaft bekommen will, muss oft tief in die Tache greifen. Ein Blick in die Zahlen auf dem US-Markt zeigt: Sechsstellige Summen sind hier ganz normal.

Einen Tag lang verdrängte Alexandria Ocasio-Cortez (36) sogar US-Präsident Donald Trump aus den Schlagzeilen. "Erster Tag meiner Eizellen-Konservierung. Ich beginne mit dem Prozess", sagte eines der prominentesten Gesichter der US-Demokraten in einem jüngst von ihr in den sozialen Medien veröffentlichten Video. Und vor einigen Wochen gab CDU-Politiker Jens Spahn bekannt, gemeinsam mit seinem Ehemann Daniel Funke mit Hilfe einer Leihmutter aus den USA Vater geworden zu sein. Die anschließende Kritik kostete ihn sein Amt als Fraktionsvorsitzender. Auch wenn beide Fälle nicht miteinander vergleichbar sind, lenken sie doch den Blick auf den rasant wachsenden Markt der reproduktiven Medizin.
 
Das Portal "Gminsights" berichtet, dass der weltweite Markt für Leihmutterschaften im Jahr 2024 noch auf rund 22,4 Milliarden US-Dollar (19,3 Milliarden Euro) geschätzt wurde. Für die Zukunft wird eine Steigerung des Umsatzes bis 2034 um fast das Zehnfache auf 201,8 Milliarden US Dollar (173 Milliarden Euro) prognostiziert.
 
Der Markt wächst enorm

Hohe Wachstumsraten sind laut Portal "Mordor Intelligence" auch bei der Eizellen-Konservierung zu erwarten. Von 25,7 Milliarden US-Dollar (22,14 Milliarden Euro) im Jahr 2025 gehen Schätzungen von einer Steigerung bis auf 34,9 Milliarden US Dollar (30 Milliarden Euro) im Jahr 2031 aus. Fertilitätskliniken, andere Krankenhäuser und speziell geschultes medizinisches Fachpersonal profitieren von dem Boom der assistierten Reproduktion.
"Ein einzelner Zyklus zur Einfrierung von Eizellen kostet in den Vereinigten Staaten in der Regel zwischen 10.000 und 20.000 Dollar", sagte Stephanie Kuku, ehemalige Gynäkologin und leitende Beraterin der Weltgesundheitsorganisation, dem Sender CNBC. Die Gesamtkosten würden allerdings deutlich höher ausfallen, wenn mehrere Zyklen erforderlich sind und zusätzliche Kosten wie Lagerung und Implantation hinzukommen würden.
 
Bis zu 51.000 Euro für Versicherung

Leihmutterschaften sind um einiges teurer. Nach KNA-Recherchen sind für die Organisation einer Leihmutterschaft in den USA umgerechnet zwischen 26.000 und 100.000 Euro an Agenturgebühr und zwischen 56.000 und 100.000 Euro Aufwandsentschädigung für die Leihmutter fällig. Für eine mögliche Eizellen-Spenderin liegen die Kosten bei 6.000 bis zu 45.000 Euro, darüber hinaus bei 45.000 bis zu 90.000 für medizinische Behandlungen, zwischen 17.000 und 30.000 Euro für Behördengebühren und von 13.000 bis zu 51.000 Euro für eine Versicherung. Die Kosten variieren stark je nach Agenturangebot.
 
Die Leihmutterschaft ist in den USA ein Milliardengeschäft.
 
Jens Spahn hatte auf dem Höhepunkt der Debatte über die Leihmutterschaft in einem Podcast mit dem Journalisten Paul Ronzheimer gesagt: "Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht. Ich bin lange zerrissen gewesen. Aber eben über dieses Ringen und sich mit dem Thema beschäftigen, haben wir uns für diesen Weg entschieden." Das Leben sei eben "manchmal kein Schwarz und kein Weiß" und biete keine einfachen Entscheidungen.
 
Kritisiert wurde Spahn, weil er sich zu Zeiten als Bundesgesundheitsminister gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften in Deutschland ausgesprochen habe, nun aber im Ausland selbst diese Möglichkeit ergriffen hatte. Wegen des Widerspruchs und des öffentlichen Drucks entschied sich Spahn schließlich zum Rücktritt von seinem Posten als CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzender.
 
"Mehr Kontrolle über mein Leben"
 
Alexandria Ocasio-Cortez erklärte in ihrem Video, dass sie die Entscheidung, getroffen habe, "um mehr Kontrolle über mein Leben zu haben". Die Eizellen-Konservierung eröffnet ihr die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt noch Mutter zu werden. Ocasio-Cortez hatte sich jüngst von ihrem langjährigen Lebensgefährten getrennt. Sie gilt als potenzielle Präsidentschaftskandidatin oder als Kandidatin für einen Senatssitz für die Demokraten.
 
Von Tobias Käufer