Ein neuer Anfang

06.10.2026 |

„Meinen Sie, uns mag überhaupt einer?“ Die Frage eines Gläubigen aus einem kleinen Dorf an Ostern sagt mehr über das Bistum Eichstätt als jede Statistik.

Nach Jahren vieler Krisen ist hier nicht nur Vertrauen verloren gegangen. Mit dem Amtsantritt von Bischof Christian Würtz ist eine Aufbruchsstimmung im Bistum spürbar: Die Menschen wollen diese Zeit hinter sich lassen, die Zeit, die tiefe Spuren hinterlassen hat – mit einem millionenschweren Finanzskandal, den Missbrauchsvorwürfen, Austrittswellen und einem strikten Sparkurs. Kirchen werden aufgegeben, Immobilien sollen reduziert werden, Kirchenstiftungen ebenso, Jugendstellen neu  geordnet: Vieles davon mag notwendig sein. Das eigentliche Problem war dabei aber nie nur das Geld. Es war die Art, wie Entscheidungen zustande kamen.
 
Viele Gläubige erfuhren von Veränderungen erst, als sie längst beschlossen waren. Dass es eine Sondersitzung des Diözesanrats brauchte, um mehr Mitbestimmung einzufordern, sagt viel über die  bisherige Kultur im Bistum. Beteiligung musste erkämpft werden, statt selbstverständlich zu sein. Ein in der Zeit der Vakanz neu geschaffener Bistumsrat ist deshalb ein Anfang – mehr nicht. Wie schwer sich  Eichstätt mit echter Beteiligung tut, zeigte zuletzt die Jugendarbeit: Erst der Protest der Engagierten  stoppte die Pläne zur Neuorganisation der Jugendstellen. Ein Gremium einzurichten, ist leicht. Macht tatsächlich zu teilen, ist die eigentliche Probe.
 
Genau hier beginnt die Aufgabe von Christian Würtz. Seine erste Predigt hat erkennen lassen, wie er sein Amt versteht: zuhören, nahe bei den Menschen sein, gemeinsam nach einem Weg suchen. Das klingt zunächst unspektakulär. Für Eichstätt könnte es dennoch ziemlich viel verändern. Denn Würtz wird sich nicht allein daran messen lassen müssen, was er entscheidet, sondern auch, wie er das tut. Seine erste Aufgabe liegt deshalb weniger darin, möglichst schnell aufzuräumen, sondern zunächst herauszufinden, was eigentlich kaputtgegangen ist – und wer bereit ist, gemeinsam daran zu arbeiten. Dann könnte aus Zuhören tatsächlich ein neuer Anfang werden. Und vielleicht wird aus der Frage des Gläubigen vom vergangenen Osterfest irgendwann eine Antwort: Ja. Uns mag einer.
 
Marco Schneider (42) ist Chefreporter des Donaukurier, zu dem der „Eichstätter Kurier“ gehört. Der früherer Domministrant berichtet auch über Kirchenpolitik in Bayern