Wer ohne Sünde ist
07.10.2026 |
Dazu gehört allerdings, sich mit der Materie auseinanderzusetzen: hier mit dem schier unvorstellbaren Sachverhalt, dass Menschen sich unter dem Deckmantel von „Recht und Gesetz“ anmaßen, einen Menschen zu töten. Was überhaupt könnte Menschen (das) Recht geben, ihresgleichen mit dem Tod zu bestrafen? Gott jedenfalls nicht, soviel hat der Nazarener schon vor 2000 Jahren klargemacht. Leben und Tod liegen nicht in Menschenhand. Also Finger davon!
Anders als vormals Jesus wurde der Papst, landläufig auch als „Stellvertreter Christi auf Erden“ bezeichnet, nicht um Stellungnahme gebeten. Seine Haltung zum Tod des Menschen durch Menschenhand ist bekannt. Und unerhört, immer noch, vielerorts.
Kein Mensch hat das Recht, einen Menschen umzubringen
Zur rechten Zeit am rechten Ort: Jesus im Tempel lehrt „alles Volk“, das zu ihm kommt. Auch Pharisäer und Schriftgelehrte: Sie konfrontieren ihn mit dem Gesetz des Mose, demzufolge Ehebruch mit Steinigung bestraft wird. Man erinnert sich, wie Jesus antwortet: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein...“
Wäre im US-amerikanischen Tennessee nicht ein ähnliches Szenario möglich? Seit die Hinrichtung der geständigen und verurteilten Mörderin Chris Pike Ende September zweimal fehlschlug, gab es doch hinreichend Anlass zum Innehalten, zum Nachdenken. Zumal die Vereinigten Staaten beim Thema Todesstrafe alles andere als einig sind; in 23 Bundesstaaten sind Hinrichtungen abgeschafft.
Und die grundsätzlichen Zweifel reichen über liberale Bundesstaaten hinaus: Die Medizin solle sich nicht an staatlichem Töten beteiligen, verlautet seitens der entsprechenden Berufsverbände, Pharmahersteller untersagen, ihre Medikamente für Hinrichtungen zu verwenden. Niemand will für die vermeintlich "humane Exekution“ herhalten (müssen). Weil kein Mensch „ohne Sünde“ ist, eine „humane“, sprich menschliche Hinrichtung also Gotteslästerung?
Nach der Mörderherrschaft der Nationalsozialisten war die Abschaffung der Todesstrafe hierzulande die logische Konsequenz aus Kapitulation und Zusammenbruch (mag sie in den Verfassungen der Länder auch noch eine Zeitlang weiterbestanden haben). Auch der Vatikan hat Jahrhunderte gebraucht, bis der entsprechende Canon aus dem Codex des Kirchenrechts getilgt war. Ja, die Mühlen (nicht nur) der Justiz mahlen langsam, aber immerhin, sie mahlen – es bewegt sich etwas.
Dazu gehört allerdings, sich mit der Materie auseinanderzusetzen: hier mit dem schier unvorstellbaren Sachverhalt, dass Menschen sich unter dem Deckmantel von „Recht und Gesetz“ anmaßen, einen Menschen zu töten. Was überhaupt könnte Menschen (das) Recht geben, ihresgleichen mit dem Tod zu bestrafen? Gott jedenfalls nicht, soviel hat der Nazarener schon vor 2000 Jahren klargemacht. Leben und Tod liegen nicht in Menschenhand. Also Finger davon!
Anders als vormals Jesus wurde der Papst, landläufig auch als „Stellvertreter Christi auf Erden“ bezeichnet, nicht um Stellungnahme gebeten. Seine Haltung zum Tod des Menschen durch Menschenhand ist bekannt. Und unerhört, immer noch, vielerorts.
Brigitte Böttner