„Ich bin gespannt, die Früchte zu entdecken“

07.10.2026 |

Der bisherige Freiburger Weihbischof Christian Würtz ist in sein neues Amt als Bischof von Eichstätt eingeführt worden. Die Gläubigen des Bistums bereiteten dem gebürtigen Karlsruher einen herzlichen Empfang.

Bischof Christian Würtz (links) wird von Herwig Gössl, dem Erzbischof von Bamberg, in sein neues Amt eingeführt.
 
Christian Würtz ist der 83. Bischof von Eichstätt, im St.-Willibalds-Dom wurde er in sein Amt eingeführt. Viele Gläubige waren beim Festtag mit dabei, darunter Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Rund 180 Bischöfe, Priester und Diakone aus dem Bistum, aus Deutschland und den Partnerdiözesen feierten den Gottesdienst mit. Zu den Konzelebranten gehörten neben dem Apostolischen Nuntius und dem Bamberger Erzbischof auch Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof Stephan Burger, Bischof Michael Gerber, Bischof em. Gregor Maria Hanke, die Generalvikare Nestor Niyokindi aus Gitega und Radek Jurnečka aus Leitmeritz sowie Dompropst Alfred Rottler, der über ein Jahr lang als Diözesanadministrator die Geschicke des Bistums leitete.
 
Zu den Gästen gehörten auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann, die Königlichen Hoheiten Prinz Christoph und Prinzessin Gudila von Bayern und Äbtissin Mutter Elisabeth vom Benediktinerinnenkloster St. Walburg. Auch viele Menschen, die mit Christian Würtz persönlich verbunden sind, waren nach Eichstätt gekommen – darunter seine Familie und seine Mutter Brigitte. Sie saß im Dom direkt hinter ihm, bevor er von Erzbischof Herwig Gössl zur Kathedra geführt wurde. 

   Gössl überreichte ihm dann auch den Hirtenstab. Gregor Maria Hanke, Würtz‘ Vorgänger als Bischof von Eichstätt übergab das Rationale, ein besonderes Schultergewand, das nur in wenigen Bistümern getragen wird. Der Nuntius in Deutschland, Hubertus van Megen, präsentierte die Ernennungsurkunde von Papst Leo XIV. In ihr lobte der Papst die „geistlichen und menschlichen Gaben“ sowie das „kaufmännische Geschick“, das sich Würtz als Weihbischof in Freiburg erworben habe.

„Die Sorgen dürfen nicht das letzte Wort haben“

Im Mittelpunkt der ersten Predigt von Würtz als Bischof von Eichstätt standen die „Früchte des Gottesreichs“. Für ihn verbindet sich damit unmittelbar sein bischöflicher Wahlspruch „Dein Reich komme“. Das Reich Gottes zeige sich dort, wo Wahrheit, Gerechtigkeit, Versöhnung, Liebe und vor allem Frieden wachsen. Dabei gehe es um mehr als die Abwesenheit von Krieg oder Streit: Der biblische „Schalom“ stehe für ein Leben in gelingenden Beziehungen zu Gott und den Menschen. Würtz räumte ein, dass es viele Gründe zur Sorge gebe – in der Kirche wie in der Gesellschaft. Doch die Sorgen sollten nicht das letzte Wort haben. Er wolle die Anliegen der Menschen im Gebet vor Gott bringen und gemeinsam mit ihnen daran arbeiten, dass Gottes Reich weiterwachsen kann. „Ich bin gespannt, in den kommenden Wochen und Monaten die Früchte zu entdecken, die es bereits gibt“, sagte er.

Der Bischof von Fulda, Michael Gerber, gratulierte dem neuen Bischof im Namen der Deutschen Bischofskonferenz. Er verwies auf die besondere Konstellation, dass „der eine aus Baden ausgewanderte Bischof den anderen bischöflich-badischen Migranten beglückwünscht.“ Dem Konradsblatt sagte er, er sei dankbar, in Fulda und im Badischen beheimatet zu sein; das wünsche er nun auch Christian Würtz. 

Kardinal Reinhard Marx hieß Würtz willkommen: In Bayern könne man wunderbar leben, sagte er; man habe aber auch gemeinsame Probleme, bei der die kaufmännische Expertise helfen könne. Dabei legte er Würtz die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ans Herz, die einzige katholische Universität in Deutschland.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder versprach in seinem Grußwort mehr staatliche Mittel für die Universität. Der Vorsitzende des Eichstätter Diözesanrats, Roland Schwab, verband den Amtsantritt mit der Hoffnung auf einen gemeinsamen Aufbruch. Synodalität bedeute, miteinander unterwegs zu sein, aufeinander zu hören und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Er versprach Würtz die Offenheit und Unterstützung des Diözesanrats und der Katholikinnen und Katholiken im Bistum.

Nach Gottesdienst und Grußworten verlagerte sich die Feier bei Sonnenschein auf einen Platz in der Eichstätter Innenstadt. Viele Gläubige umringten den neuen Bischof, um ihm zu gratulieren und kleine Geschenke zu überreichen. Für das Händeschütteln nahm sich Würtz mehr als zwei Stunden Zeit, nur unterbrochen von einer herzlichen Umarmung für die Nichte und einem kurzen Moment für eine Erfrischung. 

Viele Freunde aus Freiburg waren in Eichstätt mit dabei

Aus dem Erzbistum Freiburg hatten sich zahlreiche Freunde und Weggefährten von Christian Würtz auf den Weg nach Eichstätt gemacht. Etwa Susanna Czech-Lepold, die Leiterin des Münsterforums in Freiburg. Sie wünschte Würtz für seine Aufgabe viel Mut und Kraft, um in der Kirche etwas zu bewegen. Gemeindereferent Achim Schell aus Gengenbach sagte: „Ich wünsche ihm, dass er mit den Menschen hier zusammen und in Frieden das Evangelium verkündet; dass er das auf den Weg bringt und weitermacht.“ Er berichtete, schon in den Tagen zuvor in Eichstätt und Umgebung unterwegs gewesen zu sein und  im Gespräch mit den Menschen viel Freude und Hoffnung für den neuen Bischof gespürt zu haben.

Das Bistum Eichstätt gehört mit seinen rund 6000 Quadratkilometern zu den kleineren katholischen Diözesen in Deutschland. Es liegt in der Mitte Bayerns und reicht vom Süden Nürnbergs bis nach Ingolstadt. Die Diözese erstreckt sich über vier der sieben bayerischen Regierungsbezirke: Oberbayern, Schwaben, die Oberpfalz und Mittelfranken. 
 
Benedikt Hohl
 

Auch Gengenbach ist im Wappen des neuen Bischofs vertreten


Das Wappen des neuen Bischofs von Eichstätt hat der erst 19-jährige Lukas Böck aus Trier gestaltet. Der junge Mann erklärte, der Wappenschild sei geviert. „Im ersten Feld (oben links) befindet sich auf rotem Grund ein silberner Bischofsstab. Dieses Feld zeigt das Wappen der Diözese und des ehemaligen Hochstifts Eichstätt.“ Im zweiten Feld (oben rechts) befänden sich auf blauem Grund drei silberne Salzkristalle. Sie verwiesen zum einen auf die Namensherkunft des Bischofs – Stichwort „Gewürz“. Zum anderen nähmen sie das biblische Bildwort vom „Salz der Erde“ auf. 

Im dritten Feld (unten links) befindet sich Böck zufolge auf goldenem Grund ein rotes Balkenkreuz. „Es verweist auf den zentralen Glaubensinhalt des Evangeliums: das Heil durch Tod und Auferstehung Jesu Christi.“ Das Balkenkreuz war ursprünglich das Steinmetzzeichen der Freiburger Münsterbauhütte und ist heute das Zeichen der Kathedrale von Freiburg, wie Böck hinzufügte. 

Christian Würtz war seit 2019 Weihbischof im Erzbistum Freiburg. Im vierten Feld (unten rechts) befindet sich auf rotem Grund ein silberner Fisch, „ein frühchristliches Christuszeichen“, erklärte Böck. „Zugleich greift dieses Feld einen Bestandteil des Wappens des ehemaligen Benediktinerklosters Gengenbach auf.“ In Gengenbach im Schwarzwald wirkte Würtz als Pfarrer.

   Hinter dem Wappenschild steht ein Vortragekreuz. Umrahmt wird das Wappen von einem grünen Prälatenhut. Seine sechs herabhängenden Quasten weisen den Wappenträger als Bischof aus. Unter dem Wappen steht Würtz‘ Wahlspruch „Dein Reich komme“.

Der Wappengestalter Böck will nächstes Jahr sein Abitur absolvieren. Noch am Tag von Würtz‘ Ernennung am 7. Juli hatte er eine Mail ans Bischofshaus geschickt, seine Unterstützung angeboten und gleich mehrere Wappen-Entwürfe mitgesendet. Würtz sagte ihm zu. Grund für Böcks Interesse an kirchlichen Themen sei sein Wunsch, Priester zu werden.
 
KNA