Jeder Wassertropfen spendet Gottes Botschaft vom Leben
Leise fällt es Tropfen für Tropfen zu Boden, spritzt auf, breitet sich aus, versickert im Erdreich. Kostbares Nass, lebenswichtig für das Leben auf unserem Planeten. Ein Geschenk Gottes an seine Menschen, das Leben ermöglicht.
Dreiviertel unseres blauen Planeten sind von Wasser bedeckt, flüssig oder als Eis. Ein Teil auch als Wasserdampf in gasförmigem Zustand; eine unglaubliche Fülle. Wasser gehört unverzichtbar zur Daseinsfürsorge allen Lebens auf der Erde. Mehr als 1,4 Milliarden Kubikkilometer sind es, die beständig auf oder um den Planeten vorhanden sind.
Seit Jahrtausenden, ja seit Millionen von Jahren strömt das Wasser durch unsere Welt - unser Leben.
Wasser ist Urstoff, Quelle allen Lebens auf unserer Erde und unentwegt in Bewegung – auf einer Reise, während der es sich immer wieder erneuert.
Die Reise beginnt mit den Sonnenstrahlen. Sie lassen einen Teil des Wassers verdunsten. In kleinen Gaswolken steigt es empor, wird zu Millionen und Abermillionen winziger Tröpfchen, die in der oberen Atmosphäre schweben. Nach und nach verbinden sich die Tröpfchen, werden große, schwere Tropfen daraus, sie formieren sich zu Wolken, die der Wind zu anderen Landschaften treibt. Wird die Luft in den oberen Schichten der Atmosphäre kühler, regnet oder schneit es herunter, füllt Ozeane, Flüsse, Teiche. Manches versickert im Boden und sammelt sich im Grundwasser.
Wasser verbraucht sich nicht. Es ist immer dasselbe Wasser
Anderes bleibt in den oberen Bodenschichten, wird hier gespeichert und steht der Vegetation zur Verfügung. Doch die Reise geht weiter. In den Pflanzen, in den Bäumen steigt es empor, die Blätter und Nadeln werden durch die Sonne erwärmt, das Wasser verdunstet an der Blattoberfläche und steigt erneut in die Atmosphäre.
Ein Teil versickert nach dem Niederschlag erneut im Boden, in Sand und Kiesschichten oder sammelt sich in riesigen Höhlen, groß wie Kathedralen. Von diesen unterirdischen Speichern aus fließt das Wasser wieder in Ozeane, Flüsse und Seen und gelangt erneut in die gewaltigen Wasserströme, die sich beständig um unsere Erde bewegen.
Auf dieser Reise durch Gewässer, Landschaften, Bodenschichten und Wurzelsysteme durchläuft das Wasser einen intensiven Reinigungsprozess.
Wasser verbraucht sich nicht. Es ist immer dasselbe Wasser, das seit Jahrtausenden, ja seit Millionen von Jahren uns Menschen, den Tieren und der Vegetation zur Verfügung steht. Es ist ein Urstoff und ein unglaubliches Gottesgeschenk.
Viele spirituelle Riten der verschiedenen Glaubensgemeinschaften haben mit Wasser zu tun. Sie weisen auf das Wasser als Symbol der Reinigung hin: das Tauchbad der Juden in der Mikwe, die Waschungen der Moslems vor dem Gebet und nach dem Tod eines Menschen, das rituelle Bad im Ganges, das im Hindu-Glauben alle Sünden abwäscht.
Gott nah sein ist Glück, wie köstliches Wasser, das belebt
Auch in unseren christlichen Kirchen haben wir Rituale, die die Kostbarkeit und den Symbolcharakter des Wassers vermitteln: Wir werden im Wasser getauft und mit geweihtem Wasser besprengt. Auch das Eintauchen der Osterkerze in geweihtes Wasser, das Waschen der Hände des Priesters vor der Konsekration, die Beigabe von etwas Wasser in den Wein bei der Eucharistiefeier. Immer wieder sind es Zeremonien, die letztendlich ein Dank sind an Gott für diese große Gabe. Sie sind auch ein Symbol des Glaubens an den, der dieses Wasser geschaffen hat und der es der Welt schenkt, damit alles Leben möglich wird. Und jeder Wassertropfen gibt diese Botschaft weiter: Gott ist Leben und ermöglicht es für alle. Von Anbeginn der Welt bis heute.
Schätzen und begreifen wir diese unglaubliche Kostbarkeit? Unsere Welt verbraucht beständig Wasser. Unser Körper braucht es, denn auch wir bestehen zu ungefähr 70 Prozent aus Wasser. Um gesund zu bleiben, müssen wir täglich bis zu zwei Liter trinken. Das Klima, die Vegetation. alle Tiere und Pflanzen, alles ist auf Wasser angewiesen, um existieren zu können. Doch wie gehen wir mit dieser Kostbarkeit, diesem Geschenk Gottes um? Wir pflanzen Monokulturen, bei denen die Verdunstung eingeschränkt ist, entwässern Moore, die anschließend kein Wasser mehr speichern können und verschmutzen Teiche, Seen und Flüsse, deren Giftstoffe nicht mehr abgebaut werden können. Die Folge ist eine zunehmende Belastung des Wassers, die sich in unseren Körpern, in den Tieren und folgerichtig im Boden bemerkbar macht. Heftige Dürrezeiten stören den Wasserhaushalt und halten das kostbare Nass in gasförmigem Zustand in der oberen Atmosphäre.
Unser Glaube besagt, dass Gott die Welt als Lebensraum für alle geschaffen hat. Dann muss es uns Christen doch dazu drängen, diesen wunderschönen blauen Planeten besser zu schützen und den kostbaren Wasserhaushalt nicht noch mehr zu stören?
Gebet
Lebendiger Gott, du Herr des Lebens,
deine Schöpfermacht schied die Wasser,
dein Heiliger Geist schwebte darüber und ordnete das Chaoswasser, dämmte die Urflut zurück, damit Leben entstehen konnte, nach deiner Ordnung, zum Wohl der ganzen Erde.
Himmel und Meer entstanden, du hast sie geschaffen, die Wasser über der Erde und auf der Erde und all die Tiere im Wasser und am Himmel. Es sind lebendige Schwärme in vielfältigen Farben und Formen, zur Freude geschaffen und zur Nahrung des Menschen.
Wasser, Urstoff und Lebenselixier für die ganze Erde, für Menschen und Tiere und Pflanzen. Kostbares Gut, dass uns von dir erzählt. Sinnbild auch der Gemeinschaft mit dir und zugleich ein Bild der Gottesferne. Gott nahe zu sein ist ein Glück, wie köstliches Wasser, dass Körper und Geist belebt. Gott fern zu sein, ist wie umgeben von tosende Fluten, wie Starkregen, der das fruchtbare Erdreich wegspült, wie dürres Land ohne Leben.
Wasser – Du hast es uns gegeben. Wir dürfen es nutzen und mit ihm neues erschaffen. Du hast es in unsere Verantwortung gegeben in der liebevollen Hoffnung, dass wir es zum Wohl der ganzen Erde gebrauchen und für alles, was auf ihr leben will. Treibe uns an, mit Herz und Geist mitzuhelfen, dein kostbares Gut zu schützen und in rechter Weise zu gebrauchen.