Warum es keine Priesterinnen gibt

13.10.2026 |

1976 sagte der Vatikan schriftlich Nein zur Frauenordination. Trotz Debatten werden bis heute in der römisch-katholischen Kirche keine Priesterinnen geweiht. Welche Rolle Ökumene, Theologie und die Gesellschaft spielen.

Frauenordination: Seit 50 Jahren hält der Vatikan am Nein fest. Die Debatte um Gleichberechtigung und kirchliche Macht bleibt aktuell.
 
Ob Frauen in der römisch-katholischen Kirche zu Priesterinnen geweiht werden können - darüber zu sprechen, haben selbst die meisten Frauen keine Lust mehr. Viele kirchlich Engagierte und Kämpferinnen für Reformen lächeln nur noch müde, wenn das Thema aufkommt. Außerhalb der Kirche hingegen reagieren manche nahezu überrascht, wenn sie hören, dass katholische Theologiestudentinnen keine Priesterinnen werden können.
 
Vor 50 Jahren versuchte der Vatikan, die sogenannte Frauenfrage eindeutig zu beantworten. Am 15. Oktober 1976 gab die Glaubenskongregation das Dokument "Inter insigniores" heraus, das sich mit der Zulassung von Frauen zum Priesteramt befasst. Gleich zu Anfang heißt es darin: "Die Kirche hält sich aus Treue zum Vorbild ihres Herrn nicht dazu berechtigt, die Frauen zur Priesterweihe zuzulassen."
 
Das Traditionsargument

"'Inter insigniores' ist das erste Dokument, in dem seitens des römisch-katholischen Lehramtes explizit die Frage des Frauenpriestertums zur Diskussion gestellt wird", erklärt die Erfurter Theologin Antonia Piasetzki. Das sei insofern besonders erwähnenswert, da die Haltung der römisch-katholischen Kirche, Frauen nicht zu weihen, mit einer auf das Handeln Jesu zurückzuführenden ungebrochenen Tradition und konsequenten Einmütigkeit begründet werde.
 
Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts habe das Thema überhaupt nicht zur Debatte gestanden. "Erst die Entscheidung der anglikanischen Kirche, Frauen zum Priesteramt zuzulassen, bewegte den Vatikan zu einer öffentlichen Positionierung, da er die ökumenischen Beziehungen gefährdet sah", erklärt Piasetzki.
 
Rom bleibt hart

In "Inter insigniores" habe der Vatikan die Unmöglichkeit der Frauenordination zumindest noch für erklärungsbedürftig gehalten, fügt die Expertin hinzu. Mit der Nachfolgeerklärung "Ordinatio sacerdotalis" versuchte Papst Johannes Paul II. die Debatte 1994 dann endgültig zu beenden. Gelungen ist ihm das offenbar ebenso wenig wie seinen Vorgängern.
 
Ein Beispiel: Im Juni 2002 ließen sich sieben Frauen auf einem Schiff auf der Donau zu römisch-katholischen Priesterinnen weihen. Die Weihe spendete der von der römisch-katholischen Kirche exkommunizierte Bischof Romulo Braschi aus Argentinien. Der Vatikan erklärte die Weihe für ungültig und die Frauen für exkommuniziert, so wie es das geltende Kirchenrecht vorsieht. Doch auch das beendete die theologische Debatte nicht. Zuletzt forderten beim Reformprozess Synodaler Weg in Deutschland zahlreiche Gläubige eine Öffnung kirchlicher Ämter für Frauen, und auch bei der Weltsynode in Rom wurde immerhin eine Diakonatsweihe für Frauen debattiert.
 
Kritik an der Argumentation

"Die Argumente gegen die Frauenordination in 'Inter Insigniores' sind von der theologischen Wissenschaft längst kritisiert, kontextualisiert und relativiert worden", sagt Piasetzki. Mit ihrer strikten Haltung, Frauen vom Priesteramt auszuschließen, stehe die römisch-katholische Kirche in vielen ökumenischen Gesprächen zunehmend alleine da. Im vergangenen Jahrhundert hätten sich zahlreiche christliche Konfessionen entschieden, die Frauenordination einzuführen.
 
Allerdings bleiben auch alle Ostkirchen ähnlich wie Rom weiter beim Nein zur Frauenweihe. Was die katholische Kirche betrifft, erkennt Piasetzki eine Linie, die sich seit "Inter Insigniores" durchziehe: Letztlich sei die Frage der Frauenordination immer auch eine Machtfrage.
 
"Zwar versteht das Lehramt das Priesteramt als Dienst, auf den niemand ein Recht habe. Doch mit der Weihe sind religiöse Autorität und kirchliche Vollmachten verbunden - zu diesen erhalten Frauen qua Geschlecht keinen Zugang." Doch entziehe sich der Vatikan mit dem Verweis auf den Dienstcharakter des Amtes dem Vorwurf der Diskriminierung.
 
Blick auf andere christliche Kirchen

Für Piasetzki, die an einer Promotion zur Debatte um die Zulassung von Frauen zu religiösen Leitungsämtern arbeitet, ist die Entwicklung der Frauenordination in den unterschiedlichen Kirchen auch eine kulturelle Frage. In Polen beispielsweise ordinierte die evangelisch-augsburgische Kirche
2022 die ersten Frauen. Dass es bis zu diesem Schritt so lange dauerte, liege an der stark patriarchalen Gesellschaft und dem großen Einfluss der katholischen Kirche in Polen, sagt die Wissenschaftlerin.
 
Angesichts der Entwicklung in anderen christlichen Konfessionen bleibt ungewiss, wie sich die römisch-katholische Kirche künftig zur Frauenordination verhält. Immerhin hat eine Vatikan-Kommission zur Frage des Frauendiakonats im Dezember 2025 festgestellt, dass die frühere These, wonach nur Männer geweiht werden könnten, weil Jesus ein Mann war, heute nicht mehr konsensfähig sei.
 
Fraglich ist laut Piasetzki, wie man die christliche Botschaft, die einer Über- und Unterordnung von Menschen widerspreche, auf Dauer glaubhaft verkünden wolle - wenn zugleich innerhalb der Kirche die Hälfte der Gläubigen qua Geschlecht kategorisch vom Priesteramt ausgeschlossen werde.
 
KNA