Zurück zur Sache

14.10.2026 |

Das zunehmende „Bashing“ einzelner Politiker ist gefährlich

Der Rücktritt von Bärbel Bas von ihren Ämtern als Bundesarbeitsministerin und als Co-Vorsitzende der SPD brachte den hektischen Berliner Politbetrieb kurzzeitig ins Stocken und zum Nachdenken. Zum einen, weil der Schicksalsschlag, der die SPD-Politikerin mit dem Tod ihrer Stieftochter traf, parteiübergreifend Mitgefühl auslöste. Zum anderen aber, weil Bas auch die öffentlichen Angriffe auf ihre Person als Grund für ihren Rücktritt benannte.

Ganz unabhängig von der Bewertung der Arbeit der Ministerin wirft dieser Vorgang ein Licht auf ein grundlegendes Problem des Berliner Betriebs. Es ist der Hang zur Personifizierung der Politik, zum „Bashing“, wie man heute das verbale Einprügeln auf Personen nennt. Verantwortlich sind Politiker und Medien gleichermaßen – und das „Volk“, das sich allzu leicht darauf einlässt. 
 
Dafür steht auch das Beispiel Bärbel Bas. Dass deren Arbeit auch von Seiten des Koalitionspartners hintertrieben wurde, wie Caritaspräsidentin Eva Welskoop-Defaa in einer Reaktion auf den Rücktritt formulierte, war offenkundig. Allerdings drehten auch die Hauptstadt-Journalisten unablässig an dieser Schraube. Und so wurde die scheinbare Reformunfähigkeit der Regierung und die scheinbare Reformverweigerung der SPD zunehmend auf die Person Bärbel Bas projiziert. 

Ganz ähnlich traf es zuvor Bundeskanzler Friedrich Merz. Über Wochen hinweg war die Diskussion nicht mehr von den drängenden Sachthemen geprägt, sondern von der Frage, ob Merz zurücktreten würde oder nicht. Als ob sämtliche Krisen allein an der Person des Kanzlers festzumachen wären. Und selbst zwei Jahre nach dem Scheitern der Ampel-Regierung klingt noch die Kampagne nach, die gegen den damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck gefahren wurde. Medial inszeniert und freudig aufgegriffen von der politischen Konkurrenz. 

Zuletzt bot sich überdies die Gelegenheit, auch die behauptete Abgehobenheit der Politik an einer Person festzumachen – an Philipp Amthor, der einen Strandkorb auf dem Balkon seines Büros aufstellen ließ, was als Beweis der Dekadenz gedeutet wurde.   

Natürlich haben die genannten Personen tatsächlich Fehler gemacht. Wenn aber jeder Fehler als grundsätzliche Unfähigkeit, jeder Kompromiss als Schwäche und jede unüberlegte Äußerung als empörend skandalisiert wird, dann wenden sich langfristig gerade die Klugen, Nachdenklichen und über Parteigrenzen hinweg gesprächsfähigen Akteure vom Politikbetrieb ab. In die Lücke, die sie hinterlassen, werden die Falschen stoßen.
 
Michael Winter