Glaubensheimat

26.10.2026 |

Die mit dem Kloster St. Trudpert in Münstertal verbundene Laiengemeinschaft „Maranatha“ ist für ihre Mitglieder eine wichtige Hilfe, um ihr Leben und ihren Alltag aus dem Glauben heraus zu gestalten und auf Jesus Christus hin auszurichten – ganz im Sinne der Spiritualität der Münstertaler Josefsschwestern.

Die Mitglieder von „Maranatha“ im Herbst 2026. In der Mitte, mit brauner Jacke, Lucia Vogt, die neu aufgenommen wurde.
 
Im Büro von Lucia Vogt im Ordnungsamt der Stadt Lahr gibt es ein Foto mit einem eher ungewöhnlichen Motiv. Darauf ist eine Parkbank zu sehen. Keine beliebige, sondern eine ganz konkrete Bank. Sie steht etwa 80 Kilometer südlich von Lahr vor dem Kloster St. Trudpert in Münstertal. Für die Kommunalbeamtin hat das Bild eine wichtige Bedeutung. Es erinnert sie tagtäglich an ihre Verbindung zu diesem Ort und den dort lebenden Josefsschwestern. „Ich will die Ruhe, die Stille und die Kraft des Klosters mitnehmen in meinen Alltag“, sagt Lucia Vogt. „Das erdet mich immer wieder.“

Der Kontakt von Lucia Vogt zum Kloster St. Trudpert resultierte aus einem Bedürfnis, das sie mit vielen Menschen landauf, landab in den Gemeinden teilt: Sie war auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihren Glauben intensiver zu leben. Dabei stieß sie auf die mit dem Kloster St. Trudpert verbundene Laiengemeinschaft „Maranatha“. Eine Gruppe von Frauen, die im Grunde ganz ähnlich unterwegs waren, wie Lucia Vogt selbst. Es ging ihnen darum, sich gerade im Alltag, in ihrer Familie und ihrem Beruf von Jesus leiten zu lassen. Die Kraft zu diesem immer neuen inneren Aufbruch schöpfen sie aus den Treffen ihrer Gemeinschaft, verbunden mit der Feier der Eucharistie und der Anbetung, dem Lesen der Heiligen Schrift, Zeiten der Stille, dem gegenseitigen Austausch über den Glauben und über ihren Alltag – und: aus der engen Verbindung mit den Josefsschwestern und dem Kloster St. Trudpert. 
 
„Unterschiedliche Haltungen als Bereicherung wahrnehmen“

Hier wurde „Maranatha“ 2006, also vor 20 Jahren, gegründet. Hier kommt die Gemeinschaft jedes Jahr an drei Wochenenden zusammen, eingebunden in die Gebets- und Gottesdienststruktur der Ordensschwestern. Hier legte Lucia Vogt nach einer zweieinhalbjährigen Phase des näheren Kennenlernens vor Kurzem das Versprechen ab, dauerhaft der Gemeinschaft anzugehören. Bereits seit 2011 gehören Annette Kaufmann und Bernadette Brendel „Maranatha“ an. Beide wohnen in Münstertal und damit in unmittelbarer Nähe des Klosters. Für Bernadette Brendel sind die Zusammenkünfte von Maranatha zum einen eine wichtige „Auszeit“. Zum anderen aber erlebt sie die Gruppe als Gebetsgemeinschaft, die auch und gerade jenseits der Treffen besteht. Die Mitglieder sind stets miteinander verbunden – innerlich, aber auch real, durch telefonischen Austausch und eine Whatsapp-Gruppe. Dazu kommen zuweilen auch weitere gemeinsame Zeiten im Kloster, beispielsweise bei Exerzitien. 

Für Annette Kaufmann ist St. Trudpert schlicht „Heimat“ wie sie sagt. Nach der Erfahrung einer persönlichen Bekehrung war sie bei „Maranatha“ auf offene Ohren für ihre „1000 Fragen“ zum Glauben und zur Kirche gestoßen. Über die Jahre hinweg erfuhr sie die Gruppe immer wieder auch als „Lerngemeinschaft“, in der es möglich war, unterschiedliche Haltungen und Ansichten als Bereicherung wahrzunehmen und „stehen zu lassen“. Gewöhnlich feiert Annette Kaufmann jeden Morgen den Gottesdienst in der Klosterkirche mit. „Gerade nach dem Urlaub ist das dann wie ein Heimkommen“ sagt sie. Und wie alle Mitglieder von Maranatha verweist sie auf die entscheidende Bedeutung der Josefsschwestern für „Maranatha“, allen voran Schwester Clara, die bei allen Treffen dabei ist und die Mitglieder der Gemeinschaft geistlich begleitet. Diese Begleitung – sprich: die Hilfe, das eigene Leben zu reflektieren und ein Wachstum im persönlichen Glauben zu ermöglichen, erfuhr auch Lucia Vogt im Hinblick auf ihr Versprechen der Zugehörigkeit. 
 
Ein Kontakt durch das Konradsblatt ebnete einst den Weg

Zu den Mitgliedern der ersten Stunde bei „Maranatha“ gehört Erika Heuberger. Die heute 77-Jährige stieß durch einen Artikel im Konradsblatt und durch den Kontakt zu einer indischen Schwester des Konvents zu der Gemeinschaft. Im Rückblick auf all die Jahre spürt Erika Heuberg vor allem Dankbarkeit. „Die Gruppe war immer Stütze auf meinem Suchweg“, sagt sie.

Apropos „Stütze“: Für Schwester Clara liegt die Gründung von „Maranatha“ vor 20 Jahren und das Fortbestehen der Gemeinschaft bis heute ganz auf der Linie dessen, was Mitte des 19. Jahrhunderts den Initiator ihres Ordens, den französischen Priester Pierre Paul Blanck bewegte. Sein Impuls war die Verbindung der eucharistischen Anbetung mit der tatkräftigen Linderung der Nöte der Zeit, die damals stärker materiell bedingt waren. 

Die Anbetung spielt auch heute in Münstertal eine zentrale Rolle. In der Pfortenkapelle des Klosters beten Schwestern und Laien rund um die Uhr vor dem Allerheiligsten. Was die Nöte der heutigen Zeit angeht, gehört dazu nach Erkenntnis der Schwestern auch das Fehlen einer Heimat im Glauben. Die Pfarreien seien in der Regel von vielen Aktivitäten geprägt, stellt Schwester Clara fest. „Aber es ist nicht so leicht, dort eine Glaubensheimat zu finden.“ Diese könne in Verbindung mit dem Kloster wie auch mit der Laiengemeinschaft erfahrbar werden, was wiederum positiv auf die Gemeinden zurückwirke. „Die Pfarreien brauchen gläubige Menschen“, so Schwester Clara. 

Bleibt noch die Frage, wie es damals, vor 20 Jahren, dazu kam, die Laiengemeinschaft des Klosters St. Trudpert mit dem aramäischen „Maranatha“ zu benennen. Ein Gebetsruf der frühen Christen, der sich auf die ersehnte Wiederkunft Christi wie auch auf dessen Gegenwart in der eucharistischen Feier bezog. Auf der Suche nach einem Namen sei ihnen dieser Gebetsruf damals zugefallen, „geschenkt worden“, so Schwester Clara. „Wir verstehen ihn in zweifacher Weise: ‚Komm Herr Jesus!‘ und: ‚Komm mit uns zu den Menschen!‘“
 
Michael Winter
 

Kontakt

Kloster St. Trudpert, Laiengemeinschaft, St. Trudpert 6, 79244 Münstertal
Schwester M. Clara, Tel: (0 76 36) 7 80 25 10, E-Mail: sr.clara@kloster-st-trudpert.de