Das Samariter-Experiment
21.07.2026 |
Vom Helfen in stressigen Zeiten
Nun wurden die Studenten aber unterschiedlich stark unter Zeitdruck gesetzt. Ein Drittel der Teilnehmer wurde leicht unter Zeitdruck gesetzt, eine zweite Gruppe bekam gesagt, sie sei schon zu spät, und der dritten Gruppe wurde gesagt: Kein Problem, ihr habt genug Zeit. Auf ihrem Weg zum anderen Gebäude kamen die Studierenden nun an einem Mann vorbei, der zusammengekrümmt dalag, stöhnte und hustete. Also, augenscheinlich Hilfe brauchte. Was glauben Sie, was geschah?
Kurz zusammengefasst: Von denen, die viel Zeit hatten, halfen fast zwei Drittel. Nicht mehr ganz die Hälfte jener Theologiestudenten halfen, die ein bisschen Zeitdruck hatten. Und von denen, die Stress hatten, halfen gerade einmal zehn Prozent. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Kopf, aber zu beschäftigt, um zu helfen …
Übertragen wir diese Ergebnisse in die heutige Zeit, dann sehen wir das Dilemma. Wir leben nämlich in – vielleicht auch nur gefühlt – ziemlich stressigen Zeiten. Der „Stressreport“ einer Krankenkasse ergab 2025, dass sich jeder zweite Mensch in Deutschland häufig oder manchmal gestresst fühlt. Keine guten Voraussetzungen, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen. Und derer gibt es viele. Seit Jahren steigt beispielsweise die Zahl der Wohnungslosen. Mehr als eine Million sind es schon. In Zeiten von sommerlichen Hitzewellen eine noch beunruhigendere Zahl.
Oder übertragen wir das Ergebnis in die Krankenhäuser und Pflegeheime. Was für eine Sensibilität können wir von den Pflegerinnen und Pflegern für die Not und die Sorgen der Bewohnerinnen und Bewohner erwarten, wenn sie permanent unter Hilfe-Dauerstress stehen?
So banal diese Erkenntnis ist, dass, wer gestresst ist, nicht sehr hilfsbereit ist und keine Nächstenliebe zeigt, so wichtig ist für uns selbst und für uns als Gesellschaft dann doch immer wieder, diese Erkenntnis zu reflektieren. Und umso wichtiger sind stressfreie Zeiten, ob der freie Sonntag oder die bevorstehenden Ferien.
Sie nannten es das Samariter-Experiment. Im Jahr 1970 wollten zwei Princeton-Psychologen eine Antwort auf die Frage finden: Wie hilfsbereit sind Menschen, vor allem in Stresssituationen?
Die Wissenschaftler luden Theologiestudenten des Priesterseminars zu einer angeblichen Studie über religiöse Erziehung und Berufung ein. Eine Gruppe von ihnen sollte einen Vortrag über das Gleichnis vom barmherzigen Samariter vorbereiten. In einem anderen Gebäude sollte jeder von ihnen diesen dann halten.
Nun wurden die Studenten aber unterschiedlich stark unter Zeitdruck gesetzt. Ein Drittel der Teilnehmer wurde leicht unter Zeitdruck gesetzt, eine zweite Gruppe bekam gesagt, sie sei schon zu spät, und der dritten Gruppe wurde gesagt: Kein Problem, ihr habt genug Zeit. Auf ihrem Weg zum anderen Gebäude kamen die Studierenden nun an einem Mann vorbei, der zusammengekrümmt dalag, stöhnte und hustete. Also, augenscheinlich Hilfe brauchte. Was glauben Sie, was geschah?
Kurz zusammengefasst: Von denen, die viel Zeit hatten, halfen fast zwei Drittel. Nicht mehr ganz die Hälfte jener Theologiestudenten halfen, die ein bisschen Zeitdruck hatten. Und von denen, die Stress hatten, halfen gerade einmal zehn Prozent. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Kopf, aber zu beschäftigt, um zu helfen …
Übertragen wir diese Ergebnisse in die heutige Zeit, dann sehen wir das Dilemma. Wir leben nämlich in – vielleicht auch nur gefühlt – ziemlich stressigen Zeiten. Der „Stressreport“ einer Krankenkasse ergab 2025, dass sich jeder zweite Mensch in Deutschland häufig oder manchmal gestresst fühlt. Keine guten Voraussetzungen, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen. Und derer gibt es viele. Seit Jahren steigt beispielsweise die Zahl der Wohnungslosen. Mehr als eine Million sind es schon. In Zeiten von sommerlichen Hitzewellen eine noch beunruhigendere Zahl.
Oder übertragen wir das Ergebnis in die Krankenhäuser und Pflegeheime. Was für eine Sensibilität können wir von den Pflegerinnen und Pflegern für die Not und die Sorgen der Bewohnerinnen und Bewohner erwarten, wenn sie permanent unter Hilfe-Dauerstress stehen?
So banal diese Erkenntnis ist, dass, wer gestresst ist, nicht sehr hilfsbereit ist und keine Nächstenliebe zeigt, so wichtig ist für uns selbst und für uns als Gesellschaft dann doch immer wieder, diese Erkenntnis zu reflektieren. Und umso wichtiger sind stressfreie Zeiten, ob der freie Sonntag oder die bevorstehenden Ferien.
Daniel Gerber