Die weltbekannte Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem eröffnet erstmals Außenstellen im Ausland: München und Leipzig sollen zu Bildungsorten gegen das Vergessen werden. Wie Bayern und Sachsen reagieren.
Die Gedenkstätte Yad Vashem ist ein Ort, der bei Besuchern nachhallt. Das Foto zeigt den früheren DBK-Vorsitzenden Bätzing beim Besuch in Yad Vashem.
Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem will innerhalb von drei Jahren ein Bildungszentrum mit Hauptstandort in München und Außenstelle in Leipzig eröffnen. München sei wegen seiner strategisch günstigen Lage und seiner Bildungslandschaft ideal, heißt es in einer veröffentlichten Mitteilung. „In Verbindung mit Yad Vashems Expertise in den Bereichen Erinnerung, Dokumentation und Vermittlung soll das Zentrum eine möglichst große pädagogische Reichweite und Wirkung erzielen.“
Die kleinere Einrichtung in Leipzig wird den Angaben zufolge interaktive Lernräume anbieten und ihre Angebote an Pädagogen und junge Menschen aus der Region und den Nachbarländern richten. Konkret soll sie an das dortige jüdische Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus angedockt werden. Darüber hinaus will die Jerusalemer Gedenkstätte ihre langjährige Bildungspartnerschaft mit Nordrhein-Westfalen ausbauen. Das geplante Bildungszentrum soll zudem zu einem bundesweiten Kooperationsmodell weiterentwickelt werden.
„Da wir uns immer weiter von der Ära der Zeitzeugenberichte entfernen, ist eine historisch fundierte Holocaust-Bildung wichtiger denn je“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan. Durch das neue Zentrum werde Yad Vashem seinen besonderen pädagogischen Ansatz nach Deutschland bringen. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte, gerade junge Menschen wüssten zu wenig über die Ermordung von Juden in der NS-Zeit. „Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern.“
Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) begrüßte die Entscheidung. Er versicherte: „Bayern wird für Yad Vashem ein gutes Zuhause sein.“ Jüdisches Leben gehöre fest zu Bayern, das zu seiner geschichtlichen Verantwortung stehe.
Die Gräuel des Nationalsozialismus dürften sich niemals wiederholen. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, betonte: „Dem Judenhass ist ohne Kenntnis der Geschichte nicht beizukommen.“ Das Bildungszentrum werde „als Gegengewicht zu Entwicklungen in Politik und Gesellschaft gebraucht“.
Erste Außenstelle von Yad Vashem im Ausland
Die in München ansässige Europäische Rabbinerkonferenz äußerte sich ebenfalls positiv und sprach von einem „starken und historischen Signal“. Gerade in einer Zeit wachsender antisemitischer Bedrohungen sei Bildung der entscheidende Schlüssel.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bezeichnete den Zuschlag für Leipzig als Ehre und Verpflichtung zugleich: „Dass auch Leipzig künftig eine wichtige Rolle spielen wird, hat viel mit Vertrauen und den Akteuren vor Ort zu tun. So gibt es hier eine wieder stark gewachsene jüdische Gemeinde, ein lebendiges Netzwerk und renommierte Institutionen, darunter das Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus.“
Das Bildungszentrum München-Leipzig wird die erste internationale Außenstelle der Jerusalemer Gedenkstätte. Die Idee geht auf ein Treffen von Dayan und dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Jahr 2023 zurück. Als mögliche Standorte für die Einrichtung hatten noch weitere Städte in Bayern, NRW und Sachsen zur Auswahl gestanden.