"Olé León" - Heimspiel für den Papst im Stadion von Real Madrid. Leo XIV. wirbt bei Madrids Katholiken für Vielfalt und Aufbruch.
Vor der Kulisse des Real-Madrid-Stadions ruft Papst Leo XIV. zu Einheit und Gemeinschaft auf.
"Bienvenido Santo Padre León XIV": Schon am Nachmittag stehen die Zwillinge Sara und Álvaro mit selbst gemalten Willkommenstransparenten vor dem Bernabéu-Stadion. Sie wollen unbedingt den Papst aus der Nähe erleben, so ihre Mutter María. Doch erst nach 19 Uhr trifft Leo XIV. im Papamobil ein. Sein Ziel: eine Begegnung mit den Katholiken des Erzbistums Madrid in der Heimspielstätte der erfolgreichsten Mannschaft der Welt. Bei seiner Ankunft wird es im Megastadion ohrenbetäubend, La-Ola-Wellen wogen durch die Ränge. Und immer wieder das Bekenntnis der Jugend zum Papst: "Esta es la juventud del Papa". Es ist in diesen Tagen der allgegenwärtige Schlachtruf, nicht nur bei den 80000 im voll besetzten Rund von Real Madrid.
Leo XIV. auf rollendem Podest
Leo XIV. begrüßt die Menschen in der Arena zunächst von einem Roll-Podest, segnet Babys, winkt, schüttelt Hände. Dann verfolgt er auf der Bühne an der Stirnseite des Spielfelds das Programm, das bereits am Nachmittag begonnen hatte. In ein rasch aufgebautes kleines Tor versenkten dort Jugendliche ein ums andere Mal den Ball und bejubelten sich gegenseitig - eine Parabel auf die Gemeinschaft im Glauben. Als auch ein scheinbarer Außenseiter traf, wurde er von den anderen begeistert in die Luft gewirbelt. Nun gehörte auch er dazu; denn niemand sitzt bei Gott auf der Ersatzbank, so die Botschaft der kurzen Einlage.
Papst als Elfmeterschütze?
Viele hofften, dass sich der sportbegeisterte Leo aus seinem weißen Sessel erheben und ebenfalls einen Elfer verwandeln würde. Doch schon war das Tor weggeräumt. Nun berichtete eine Familie aus Peru von ihren Erfahrungen in Spanien. Statt Rassismus hätten sie herzliche Aufnahme erlebt - auch dank ihrer Kirchengemeinde.
Ein Dutzend singende Priester erhielten viel Beifall, manche vom Papst eine Umarmung. Dann trat Kardinal José Cobo Cano ans Rednerpult und beschwor eine offene Kirche, die in Zeiten der Zerrissenheit geeint wandelt, zuhört und sich vom Heiligen Geist leiten lässt. Nur durch Harmonie und Gemeinschaft könne die Synodalität - das gemeinsame Gehen - real und sichtbar werden, so der Erzbischof von Madrid. "Lieber Papst Leo, heute möchten wir Ihr Wort wie eine Umarmung empfangen."
Nach erneutem tosenden Beifall sprach endlich der Papst. Er schwärmte von Madrids Katholiken als einer wunderbaren kirchlichen Familie, die nun "die Kunst der Polyphonie lernt, das heißt der Einheit in der Vielfalt". Sie sollten sich nicht einigeln, so sein Appell. Vielmehr sollten sie gemeinsam das Evangelium bezeugen, während die Menschheit mit Bildern und Worten bombardiert werde, "aber nach Gerechtigkeit hungert und nach Wahrheit dürstet".
Erwachsenentaufen als Regel, nicht Ausnahme
Dann ging er auf Berichte über eine wachsende Zahl von Taufen erwachsener Spanier ein. "Vertraut auf die immer offensichtlicher werdende Tatsache, dass man auch im Erwachsenenalter zum Glauben zurückkehren oder ihn zum ersten Mal entdecken kann. Seid bereit, Neuanfänge nicht als Ausnahme, sondern als Regel der Missionierung anzunehmen", so Leo XIV. An die Priester appellierte er, die Praxis der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung als eine der größten Chancen der Synodalität anzuerkennen. Regelmäßige Treffen mit den Gemeindemitgliedern könnten den Dienst der Geistlichen bereichern.
Ein großartiges Tor für die Kirche
Das kirchliche Leben dürfe nicht auf eine Routine verkürzt werden, sonst fehle der Heilige Geist, der Berufungen wecke, so Leo. "Fürchtet euch nicht davor, sondern freut euch darüber", rief der Papst den 80000 zu. Begonnen hatte er seine Rede mit einem spontanen Scherz: "Ich kann mir vorstellen, dass sich ein Fußballer, dem hier ein Tor gelingt, sein ganzes Leben daran erinnert", so Leo XIV. mit Blick in das gigantische Stadion. "Die Kirche von Madrid hat heute ein großartiges Tor geschossen."