Fünf Jahre nach dem Weckruf: Wie recht der Weltklimarat hatte
04.08.2026 |
Hitzewellen, Starkregen und steigende Meeresspiegel verdeutlichen den Klimawandel und entsprechen weitgehend den Vorhersagen des Weltklimarats. Doch es gibt auch Entwicklungen, die Hoffnung machen.
Die Berichte des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) fassen den aktuellen Stand der Klimaforschung zusammen.
Die Temperaturen schnellen in die Höhe , die Sonne brennt unerbittlich: Bei Hitzerekorden in diesem Juni leerten sich Straßen und Plätze, während Menschen Zuflucht im Schatten und in gekühlten Räumen suchten. Die Hitze wird, wie dieser Tage auch, zum zentralen Thema des Alltags und beeinflusst nicht nur Aktivitäten, sondern auch Stimmung und Gesundheit. Aller Stammtischreden zum Trotz. So heiß war es in Deutschland früher nicht – geschweige denn im Juni; mit mehreren sogenannten aufeinander folgenden Tropennächten über 25 Grad.
Wer sich an den Sommer 2021 erinnert, denkt vielleicht an die Flutkatastrophe im Ahrtal. Nur wenige Wochen später, am 9. August, legte der Weltklimarat seinen bekanntesten Bericht vor. Er sprach darin erneut von einer unmissverständlichen Erwärmung der Erde; gar vor einem drohenden Kontrollverlust. Offiziell heißt der Weltklimarat „Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen“. Er ist eine Institution der Vereinten Nationen, die wissenschaftliche Erkenntnisse weltweit sammelt und aufbereitet. Die Berichte bilden die Grundlage für internationale Klimaverhandlungen und politische Entscheidungen.
Zutreffende Aussagen, alarmierende Entwicklungen
Ein bekannter deutscher Klimaforscher ist Anders Levermann. Seiner Einschätzung nach haben sich die zentralen Aussagen des Berichts nicht nur bestätigt – sie seien heute sogar wissenschaftlich besser abgesichert als noch 2021, so der Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung am Potsdam-Institut für Klimaforschung und Physikprofessor an der Universität Potsdam. Die beobachtete Erwärmung entspreche den Vorhersagen der Klimamodelle.
Es sei bemerkenswert, wie gut diese Modelle mit der tatsächlichen Entwicklung übereinstimmten: Die globale Durchschnittstemperatur steige ebenso weiter wie der Meeresspiegel. Bei diesem weist Levermann auf ein zusätzliches Risiko hin: Neue Erkenntnisse über Instabilitäten der großen Eisschilde könnten langfristig zu einem stärkeren Anstieg führen als bislang angenommen. Und eine weitere Entwicklung bereitet ihm Sorgen: „Die Wetterextreme nehmen in Intensität und Häufigkeit schneller zu, als viele Klimaforscher erwartet haben.“ Hitzewellen werden häufiger und intensiver. Starkregen und Überschwemmungen nehmen zu.
Die naturwissenschaftliche Ursache: Nicht der natürliche Kohlenstoffkreislauf sei das Problem, so Levermann, sondern das zusätzliche Kohlendioxid aus Kohle, Öl und Gas. Der weltweite jährliche Kohlendioxid-Ausstoß liegt bei mehr als 40 Gigatonnen. Dieses Kohlendioxid bleibe über sehr lange Zeit in der Atmosphäre und treibe die Erwärmung weiter an, erklärt Levermann. Einzelne Bestandteile werden zwar von Pflanzen und Meer aufgenommen, der Großteil kreise aber über Jahrhunderte durch die Atmosphäre. Nach Angaben des Umweltbundesamts bleiben etwa 15 bis 40 Prozent der Emissionen selbst nach 1.000 Jahren noch dort.
Wie groß ist unser Handlungsspielraum noch?
Trotz dieser Entwicklung sieht Levermann einen wichtigen Erfolg. Dass das extremste Emissionsszenario des Berichts derzeit weniger wahrscheinlich erscheine, zeige, dass Klimaschutzmaßnahmen weltweit bereits wirken würden. Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien und sinkende Emissionen in einigen Bereichen bewiesen, dass politisches Handeln Wirkung entfalten könne, erläutert Levermann. Dennoch warnt er davor, sich darauf zu verlassen. Angesichts weltweiter Krisen und politischer Rückschritte bleibe der weitere Verlauf offen.
Die entscheidende Frage lautet für den Klimaforscher heute nicht mehr, ob der Klimawandel stattfindet. Sondern: Wie groß ist unser Handlungsspielraum noch – und wie konsequent nutzen wir ihn?