Auf nach Lissabon: der Papst, Maria und gute Laune warten
27.07.2023 |
Bei fremden Menschen wohnen und gemeinsam mit jungen Leuten aus aller Welt singen, beten und feiern: Das ist Weltjugendtag. Die deutschen Pilger sind voller Vorfreude und vorbereitet – soweit möglich bei einem Millionen-Event.
Am 27. Juli geht es los: Dann macht sich die Pilgergruppe, die auch unsere Volontärin Helena Gennutt begleiten wird, auf den Weg nach Lissabon. Kennenlernen konnten sich die Teilnehmenden bereits bei einem Vorbereitungswochenende in Freiburg – dort entstand auch das Foto.
Rund 7000 junge Menschen aus Deutschland machen sich Ende Juli auf den Weg nach Portugal. Sie reisen zum Weltjugendtag und treffen dort auf Gleichaltrige aus der ganzen Welt. Den Glauben feiern, das Gastland kennenlernen, mit neuen Leuten ins Gespräch kommen – so die Agenda. Portugals Hauptstadt Lissabon rechnet vom 1. bis zum 6. August mit rund einer Million Pilgerinnen und Pilgern zwischen 14 und 30 Jahren, bisher angemeldet oder aktuell im Anmeldungsprozess sind etwa 600 000.
Einer von ihnen ist Luca Rusch, der mit der Jugendgruppe seiner Pfarrei aus dem Bistum Münster nach Portugal fahren wird. „Wir erzählen immer noch die Geschichten von den letzten Weltjugendtagen, wie man auf die unterschiedlichsten Menschen aus der ganzen Welt trifft, sich mit denen austauscht, Festivalstimmung und gute Laune hat – das motiviert uns am meisten, dahin zu fahren“, sagt er. Und er freut sich darauf, dass auch der Papst in Lissabon sein wird.
Franziskus plant, für fünf Tage nach Portugal zu kommen. Er will jungen Menschen in kleineren Runden begegnen und wird mehrere große Gebete sowie die Abschlussmesse mit den Pilgerinnen und Pilgern feiern. Ein Höhepunkt wird die Vigilfeier, eine nächtliche Gebetswache, am Abend des 5. August sein. Dazu wird das weitläufige Gelände am Fluss im Tejo-Park stimmungsvoll mit Kerzen erleuchtet, während Menschen aus über 150 Ländern gemeinsam mit dem Heiligen Vater beten. Zum Weltjugendtag lädt der jeweilige Papst in wechselnde Städte ein. Die Initiative geht auf Papst Johannes Paul II. zurück, der 1984 erstmals zum „Internationalen Jubiläum der Jugend“ nach Rom einlud. Seitdem finden alle zwei bis drei Jahre internationale Weltjugendtage statt, zuletzt 2019 in Panama-Stadt, davor 2016 im polnischen Krakau.
Vorfreude auf das Fest in der Heimat: Portugiesische Jugendliche beim Weltjugendtag 2019 in Panama-Stadt.
Die meisten der Pilgerinnen und Pilger aus Deutschland reisen in Gruppen ihrer Bistümer, Verbände oder geistlichen Gemeinschaften nach Lissabon. 17 Bischöfe sind mit dabei. Manche Reisegruppen werden nach Portugal fliegen, andere legen die 2000 bis 3000 Kilometer in Reisebussen zurück. Sie machen schon den Weg zum Pilgerprogramm.
Die jungen Katholikinnen und Katholiken erwartet ein Gastgeberland, das vom katholischen Glauben geprägt ist: Etwa 80 Prozent der Bevölkerung Portugals ist katholisch. Europas größter Wallfahrtsort befindet sich dort: In Fátima soll drei Kindern im Jahr 1907 die Muttergottes erschienen sein. Bekannt ist das Land auf der Iberischen Halbinsel ohnehin für seine große Marienverehrung.
Dazu passt das diesjährige Weltjugendtags-Motto aus dem Lukasevangelium: „Maria stand auf und machte sich eilig auf den Weg.“ Der Präses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Stefan Ottersbach, sieht darin ein sehr aktuelles Bild der Mutter Gottes, in dem sich junge Menschen wiederfinden können. „Sich auf den Weg zu machen, ohne genau zu wissen, wo es hingeht“, sagt Ottersbach, „das kennen doch unglaublich viele junge Menschen.“
Um sich bestmöglich vorzubereiten, verbrachten viele Gruppen vorbereitende Wochenenden zusammen. Diese boten Zeit, Infos auszutauschen, etwa die Packliste zu besprechen, aber auch einen kleinen Portugiesischkurs abzuhalten oder das Mottolied zu üben – damit jede und jeder mit einem guten Gefühl aufbricht. Denn etwas Unsicherheit bleibt bestehen, zum Teil entscheidet sich etwa erst vor Ort, ob die Unterbringung in einer Gastfamilie oder Turnhalle erfolgt.
Startklar ist auch Johannes Weiler: Er wird mit dem Bistum Trier nach Portugal pilgern und eine Kleingruppe leiten. Das Bistum Trier hat ihn auf kulturelle Fragen, Notfallversorgung, Prävention und auch auf geistliche Begleitung der Teilnehmenden vorbereitet. „Da passiert geistlich sehr viel, zum Teil gibt es tiefe Glaubenserfahrungen“, sagt er, „es ist wichtig, Ansprechpartner zu haben, die damit umgehen können.“ Johannes weiß, wovon er spricht: Seit dem Weltjugendtag in Panama ist der 28-Jährige auf dem Weg, Priester zu werden.