Auch den Rückweg bestreiten wir mit dem Reisebus. Von unserem Übernachtungsaufenthalt in Salamanca geht es nach Bilbao. Dort warten alte Gassen und moderne Architektur auf uns.
Zwischen der Nacht mit etwa einer Million Menschen unter freiem Himmel und der Übernachtung im Dreibettzimmer im Hotel liegt nur ein Tag – und doch Welten. Manchmal lässt sich auf dieser Reise kaum greifen, wie viel an einem einzigen Tag passiert. Wir sind dankbar, dass wir es alle bis hierher geschafft haben. Dass es uns allen gut geht und niemand während unserer Reise ernsthaft erkrankt ist. Noch immer erschöpft – die Müdigkeit hat sich über die Tage angestaut – und doch ausgeruht, starten wir in den neuen Tag.
Manche nutzen den Morgen, um sich ein wenig in Salamanca umzusetzen. Ich lasse mir sagen, dass die Stadt sehr sehenswert ist. Selbst ins Stadtzentrum zu gehen, schaffe ich zeitlich leider nicht, um 11 Uhr steigen wir schon wieder in den Bus. Während wir losrollen, schließen die ersten bereits wieder die Augen.
„Es ist 14:37 Uhr und das Team Morgengebet wird langsam wach“, sagt Johannes Schenk durch das Busmikrofon. Ungewohnt spät folgt der heutige Impuls. Wir hören den Text, in dem Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen den Hunger von 5000 Menschen stillt – und sogar noch zwölf Körbe übrigbleiben. Die Bibelstelle ist auch als wundersame Brotvermehrung bekannt. Susanne Spiess, Referentin für Berufungspastoral und Mitorganisatorin der Reise, vergleicht uns mit den 5000 Menschen damals: „Wenn wir das, was jede und jeder von uns an Talenten und Gaben mitbringt, teilen, dann werden alle satt.“ Das sei auch eine Botschaft von Papst Franziskus während des Weltjugendtags gewesen.
Mit unserem Mittagspicknick verhält es sich ähnlich wie mit der wunderbaren Brotvermehrung: Das Catering-Team sorgt für eine gute Grundlage. Jede und jeder gibt hinzu, was er gerade noch hat – und alle werden satt.
Nach knapp 400 Kilometern erreichen wir den letzten Zwischenstopp unserer Pilgerreise: Bilbao im Norden Spaniens. Theresa Schenk erklärt sich spontan bereit, uns durch die Stadt zu führen. Sie war zwar selbst noch nicht in Bilbao, hat sich jedoch auf der Busfahrt belesen. Gleich zu Beginn unserer Tour sehen wir die größte oder zumindest eine der größten überdachten Markthallen Europas. In ihrer Fensterfront spiegelt sich die gegenüberliegende Kirche San Antón. Weiter geht es in das historische Stadtzentrum mit seinen engen Gassen und mit Blumen geschmückten Balkonen.
In Bilbao steht eine der größten überdachten Markthallen Europas. In den Fenstern spiegelt sich die gegenüberliegende Kirche San Antón.
Einen starken Kontrast dazu bilden die modernen Skulpturen und Brücken rund um das Guggenheim-Museum. Auch das Gebäude selbst fällt ins Auge. Auf dieses geht auch der Begriff „Bilbao-Effekt“ zurück – wenn ein Ort durch spektakuläre Bauten von Architekten aufgewertet wird. Damit ein Bauvorhaben diesen Effekt mit sich bringen kann, soll es sich in zentraler Lage und in der Nähe von Gewässern befinden. Die Architektur hat zudem innovativ, provokativ und spektakulär – oft aber wenig funktional – zu sein. Zum Bauwerk passend lässt sich im Guggenheim-Museum moderne Kunst bestaunen. Ein Teil der Gruppe ergattert noch Eintrittskarten für den nächsten Tag.
Das Guggenheim-Museum ist durch seine ausgefallene Architektur in Bilbao nicht zu übersehen. Im Gebäude wird moderne Kunst ausgestellt.
Damit endet unsere kleine Tour durch die größte Stadt des Baskenlandes. In Kleingruppen ziehen wir los, um zu Abend zu essen. Da es die spanische Küche Vegetariern eher schwer macht, landen wir am Ende in einem italienischem, andere in einem japanischen Restaurant. Danach geht es zurück ins Hostel, kleine Mehrbettzimmer mit Stockbetten warten auf uns. Aber das sind wir inzwischen gewöhnt.
Drei Dinge, die ich heute mitnehme …
Wort des Tages: behütet
Frage des Tages: Wofür wollen wir unterwegs sein?
Glücksmomente des Tages: Durch die bunten Gassen Bilbaos mit den vielen kleinen Balkonen laufen. Früh schlafen.