Sonntagsmusik zum 24. Mai (Ausgabe 21-22/2026)
„Komm, Schöpfergeist, mach ganz …!“ Ein noch wenig bekanntes Pfingstlied
Der Geist des Herrn hat uns den Anfang neu geschenkt, In alles, was da wächst, den Atem eingesenkt. Der Gottesgeist beseelt, die kalt sind und versteint; Zerstörtes baut er auf, Zerstreutes wird geeint.
Peter Pawlowsky, nach Huub Oosterhuis (GL 863)
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Dem Heiligen Geist sind viele Lieder gewidmet! Oftmals braust es darin gewaltig. Dazu setzt unsere pfingstliche Sonntags-Musik einen choralhaften Kontrapunkt. Der niederländische Poet und Theologe Huub Oosterhuis (1933-2023) besingt die Geistkraft, die einen neuen Anfang schenkt. Die vierteilige Melodie ist eine schlichte niederländische Volksweise, die mit nur sieben verschiedenen Tönen auskommt.
Die erste Strophe spricht den biblischen Jüngerinnen und Jüngern Jesu aus dem Herzen. Nach der Katastrophe von Jesu Kreuzestod fanden sie im Geist zur Glaubensgewissheit der Auferstehung. Das ist der „neue Anfang“, der zugleich an den ersten Anfang der Schöpfung durch den Atem Gottes erinnert. Viele Geistesgaben klingen überdies an: Er baut auf und wärmt, wo zuvor alles in Kälte erstarrt war.
Dass der Geist uns Geschwister sein lässt, nennt die Bibel „Koinonia“, geist-gestiftete Gemeinschaft. Auch die religiösen Grundsymbole Wasser (Taufe) und Licht (Christus) besingen wir in der zweiten Strophe. So ergibt sich eine poetische Brücke zur Osternacht mit Taufe und Osterkerze. Zugleich wird ein allzu glattes Verstehen des Geistes abgewehrt. Er „weht, wo er will“ (Johannes 3, 8) und bleibt unergründlich. Könnten wir ihn vollends begreifen, stünden wir ja direkt neben oder gar über ihm. Dieses Lied will sensibel machen für die geistlichen Obertöne des Lebens, die sich oft nur leise melden und nicht im Sturmesbrausen, der äußeren Orchestrierung des Heiligen Geistes. Die Geistkraft kennt auch die leisen Töne. Mit den Worten von Huub Oosterhuis: „Heiliger Geist ist Kraft-in-Menschen; eine Gegenkraft, Wärme-Kraft gegen das, was hart, kalt und Stein in uns ist.“
Unser Autor Meinrad Walter empfiehlt eine Aufnahme mit Band, Chor, Orgel und Gemeinde aus dem Stephansdom Wien unter der Leitung von Hermann Platzer.